Grauhörnchen - Verwandte aus Amerika

Beim Thema "Grauhörnchen" zeigt sich immer wieder sehr große Verunsicherung:

Wie unterscheidet man Europäische Eichhörnchen sicher von Amerikanischen Grauhörnchen?

Gibt es schon Grauhörnchenvorkommen in Deutschland?

Wie groß ist die Gefahr der Verdrängung des Eichhörnchens durch den Neueinwanderer Grauhörnchen?

 

Unterscheidung Eichhörnchen - Grauhörnchen

Zur gleichen Gattung (Sciurus) gehörend, sind es aber zwei verschiedene Arten: Sciurus vulgaris - Europäisches Eichhörnchen und Sciurus carolinensis - Amerikanisches Grauhörnchen.

Auch wenn der Name es suggeriert:

Die Fellfarbe allein ist kein sicheres Bestimmungsmerkmal.

Unsere Europäischen Eichhörnchen variieren in ihrer Fellfarbe in sehr vielen Schattierungen von orangerot über rotbraun, braun bis schwarz, ihr Winterfell kann dabei vor allem an den Flanken mehr oder weniger deutliche Grauanteile aufweisen.

Nicht alle grauen Hörnchen sind Grauhörnchen!

Amerikanisches Grauhörnchen (Sciurus carolinensis) - © Ronald Unger
Europäisches Eichhörnchen (Sciurus vulgaris) im Winterfell
Grauhörnchen-Schwanz von hinten

Das Amerikanische Grauhörnchen ist größer als das Eichhörnchen. Ein ausgewachsenes Grauhörnchen wiegt 400 – 700 g mit einer Kopf-Rumpf-Länge (ohne Schwanz) von ca. 30 cm.

Es hat ganzjährig kahle Ohren, niemals Ohrpuschel. Die Spitzen der Schwanzhaare sind weiß, dies wirkt, als ob eine weiße "Aura" den Schwanz umgibt.

Eichhörnchen-Schwanz von hinten

Ein Europäisches Eichhörnchen bringt es nur auf 200 – 400 g Gewicht, die Kopf-Rumpf-Länge beträgt 20 - 25 cm.

Den Eichhörnchen wachsen im Winter lange Haarpuschel an den Ohren. Die Schwanzhaar-Spitzen sind rötlich oder bräunlich, diese auffälligen weißen Haarspitzen am Schwanz gibt es nicht.


  

Amerikanisches Grauhörnchen (Sciurus carolinensis) - © Klaus Zeddel
Europäisches Eichhörnchen (Sciurus vulgaris) - © Margret Brackhan

Verbreitung des Grauhörnchens in Europa

Amerikanische Grauhörnchen haben sich in Großbritannien seit ihrer Einschleppung Ende des 19. Jahrhunderts rasant verbreitet. Nachfolgend ist dort die Populationsdichte der Europäischen Eichhörnchen drastisch zurückgegangen.

In Italien wurden Amerikanische Grauhörnchen in der Mitte des
20. Jahrhunderts ausgesetzt und verbreiteten sich dort in einigen Gebieten stark.

Für Deutschland gibt es bisher keinen gesicherten Nachweis eines Vorkommens des Amerikanischen Grauhörnchens!

 

Gefährdung des Eichhörnchens durch das Grauhörnchen

Die Berichterstattung zur Problematik des eingewanderten Grauhörnchens ist sehr kontrovers.

So wird einerseits eine starke Gefährdung und drohende Verdrängung des Europäischen Eichhörnchens durch das Amerikanische Grauhörnchen vorhergesagt, wie z. B. in Artikeln auf stern.de: "Die graue Invasion" (2005) oder "Eichhörnchen in Not" (2009). Auch der Berliner Tagesspiegel berichtet: "Graue Gefahr für die roten Eichhörnchen" (2012).

Hauptsächlich wird ein Parapox-Virus, für das das Amerikanische Hörnchen Überträger ist, für die starke Dezimierung des Europäischen verantwortlich gemacht - mit der Prognose, dass das Europäische Eichhörnchen dort, wo auch das Amerikanische siedelt, langfristig sogar aussterben könnte.

Dem gegenüber stehen andere Berichte, die diese übermächtige Rolle des Parapox-Virus anzweifeln und für den Rückgang des Roten Eichhörnchens z. B. in England eher jahrzehntelange Jagdtradition (auch auf Eichhörnchen) und die Tendenz in der englischen Forst- und Gartenkultur nicht-heimisch Gehölze anzupflanzen, sehen.

In einem sehr ausführlichen Bericht des Schweizer Fernsehsenders SRF "NETZ NATUR - Kampf ums Eichhörnchen" aus dem Jahre 2011 wird die weitere Verbreitung des Amerikanischen Grauhörnchens in Norditalien untersucht und die Gefährdung einer Verdrängung des Europäischen Eichhörnchens relativiert.

Auch auf der Internetseite unserer Mitstreiter, dem Eichhörnchen-Schutz e.V. wird die Grauhörnchen-Problematik ausführlich erörtert.