die 10 wichtigsten Schritte

1.  Anfassen – Aufnehmen – Schützen – Leben retten!

 

Entgegen der landläufigen Meinung darf man Eichhörnchen-Findelkinder anfassen. Die Mutter lehnt es deswegen nicht ab. Vielleicht ist es Ihnen bereits hinterhergelaufen oder gar an Ihrem Hosenbein hochgeklettert.

Dieses Tier braucht dringend Ihre Hilfe!

 

Es sind fast ausschließlich Jungtiere, die auf diese Weise hilfesuchend auf den Menschen zukommen. Eichhörnchenbabys kann man meist leicht mit der Hand aufnehmen.

Sie haben keine übertragbaren Krankheiten, insbesondere haben sie keine Tollwut!

  
Sollten Sie ein krankes oder verletztes adultes, also erwachsenes, Eichhörnchen gefunden haben, ist es dringend angebracht, geeignete Handschuhe zu tragen oder das Eichhörnchen mit einem großen Handtuch aufzunehmen.  
Eichhörnchen sind „Fluchttiere“. Können sie aufgrund einer Verletzung o. ä. nicht mehr fliehen, bleibt ihnen nur noch die instinktive Verteidigung mit den scharfen Nagezähnen. Schützen Sie sich hier also vor schmerzhaften Bissverletzungen.

 

2.  Beobachten

 

Viele Jungtiere werden von ihrer Mutter zurückgeholt!

Ein Rückführungsversuch ist in den meisten Fällen sinnvoll und wird nicht selten auch von Erfolg gekrönt.

 

Bitte lassen Sie ein scheinbar verwaistes Eichhörnchen nicht unbeobachtet liegen, der Satz: „die Natur wird es schon richten“ ist längst nicht mehr zeitgemäß. Ca. 50 % der Tiere, die aufgefunden werden, sind letztlich durch menschliches Handeln in diese lebensbedrohliche Situation gebracht worden und nicht durch „natürliche“ Begebenheiten. 

 
Um die individuelle Situation richtig einzuschätzen, beraten wir Sie gerne an unserem Notfalltelefon. Beobachten Sie das Findelkind und schützen Sie es vor Katzen, Hunden und Rabenvögeln.

 

3.  Nach Geschwistertieren suchen

 

Die meisten Eichhörnchen-Findelkinder geraten in Not, weil  z. B. ihre Mutter nicht mehr lebt oder der Kobel zerstört wurde. Oft ist so der ganze Wurf (zwischen 2 und 6 Junge) betroffen und auf menschliche Hilfe angewiesen.

Bitte vergewissern Sie sich daher genau, ob sich am Fundort nicht noch weitere Jungtiere aufhalten.


Da sich die Tiere je nach Alter und Mobilität auch in einem größeren Radius bewegen können bzw. sich aus Angst verstecken, sollten Sie sich unbedingt genug Zeit nehmen und ggf. den Fundort mehrfach und über 2 – 3 Tage aufsuchen.

 

4.  Wärmen

 

Alle lebenserhaltenden Körperfunktionen sind von der „normalen“ Körpertemperatur abhängig. Findelkinder sterben oft an Unterkühlung, da sie ihre eigene Körpertemperatur noch nicht konstant halten bzw. regeln können.

Auch wenn die Lufttemperatur sommerlich warm ist, sind geschwächte oder sehr kleine Tiere schnell völlig ausgekühlt. Hinzu kommt, dass Muttertiere unterkühlte Jungtiere nicht zurückholen und eine mögliche Rückführung demnach nicht erfolgen kann!


Sollte es nötig sein, das Jungtier mitzunehmen, sind Wärmflasche, Körnerkissen oder ein kleines elektrisches Heizkissen (Stufe 1) sehr hilfreich. Alternativ kann auch eine leere PET-Flasche mit lauwarmem Wasser gefüllt werden. Alle Wärmequellen bitte so unterbringen, dass das Eichhörnchen auch die Möglichkeit hat, sich davon zu entfernen, falls es ihm zu warm wird!

 
Ein Handtuch oder ein T-Shirt zum Einkuscheln verwenden. Heu, Stroh, Laub oder Moos sind nur nett anzuschauen, haben aber in der Erstversorgung keinerlei Nutzen.

 

5.  Mit Flüssigkeit versorgen

 

Fundtiere sollten immer zuerst mit Flüssigkeit versorgt werden. Dies gilt auch für scheinbar kräftige oder gesunde Tiere.

Meist sind die Tiere schon seit Stunden / Tagen ohne Versorgung

- die Vitalfunktionen werden dann durch die Dehydration oder Unterversorgung nur noch notdürftig aufrechterhalten.

Wird solch ein Tier sofort mit Milch oder ähnlichem gefüttert, wird es durch die einsetzende Verdauung noch mehr geschwächt - dies kann zu Krämpfen bis hin zum Kreislaufzusammenbruch führen.

  
In 200 ml abgekochtes Wasser oder Fencheltee werden

2 Teelöffel Traubenzucker oder Honig und eine kleine Prise Salz gegeben.

Diese Mischung hilft als erste Flüssigkeitsversorgung,

danach muss das Tier in kompetenter Hand mit vollwertigem

Muttermilchersatz weiterversorgt werden.

 

Sofortige Milchersatzgabe kann zu Krämpfen oder zum Kreislaufzusammenbruch führen, dauerhaftes Füttern

mit der Teelösung bedeutet aber Mangelernährung!

 

Nach dem Abkühlen wird die Flüssigkeit mit einer Spritze (ohne Kanüle) oder Pipette, zur Not dient auch ein auf die Hälfte abgeschnittener Trinkhalm, der in die Flüssigkeit getaucht wird und mit dem Finger oben abgedichtet wird, dem Tier zugeführt.

  • von dieser Flüssigkeit geben Sie dem Eichhörnchen zu Beginn bitte nur tropfenweise vorsichtig in die Backentasche oder auf die Lippen
  • wenn es selbstständig trinkt, so viel es möchte
  • man sollte unbedingt darauf achten, dass man langsam und geduldig vorgeht, so dass sich das Tier nicht verschluckt, keine Flüssigkeit in die Atemwege kommt und eine Lungenentzündung verursacht
  • wenn es nach jedem Schlucken vor Erschöpfung wieder einschläft, ist Geduld und Einfühlungsvermögen gefragt
  • ein Richtwert für die Notversorgung in der ersten Stunde: 2–3 ml für ein Eichhörnchen unter 50 g Körpergewicht, 3–5 ml über 50 g Körpergewicht. Anfänglich alle 15 min kleinste Mengen
  • wenn es nicht schluckt, gehen Sie bitte sofort zum Tierarzt und bitten um subkutane Flüssigkeitszufuhr

Im Zweifel gilt immer: Rufen Sie uns an! Eine falsche Einschätzung der Situation könnte dem Eichhörnchenbaby das Leben kosten!

 

6.  Erste Beurteilung

 

Auch wenn das Eichhörnchen scheinbar schlafen möchte, sich zusammenrollt und sich nur verstecken möchte, Sie müssen es sich genau anschauen! 

 
Schwer traumatisierte, unter Schock stehende Tiere, „quietschen“ vor Angst. In diesem Fall bedecken Sie den Kopf bzw. die Augen dieses Tieres mit einem Handtuch.

   
Wie ist der Allgemeinzustand des Tieres?

  • agil oder schlapp? 
  • gut genährt oder sehr mager/halb verhungert?
  • werden alle 4 Beine bewegt? Lähmungen? Knochenbrüche? 
  • sind offene Verletzungen zu sehen? Wenn ja, sind diese „frisch“?
  • sind am Körper oder in möglichen Fleischwunden kleine weiße längliche Eier (Fliegeneier) zu sehen?
    (mehr dazu unter Parasitenbefall - wichtig! -)
  • Blutungen aus Mund und/oder Nase?
  • abgebrochene Zähne? stecken diese noch im Mund? 
  • Blutergüsse, Schwellungen?
  • sonstige Auffälligkeiten?

Rufen Sie uns an – wir beraten Sie am Telefon!!

Oder fragen Sie Ihren Tierarzt, ob er Wildtiere behandelt.

 

7.  Urin-Stimulierung

 

Eichhörnchenbabys können anfangs (bis zur 7. Woche) nicht selbständig Urin ablassen. Bleibt die Stimulation, die in der Natur die Mutter durch Ablecken übernimmt, aus, so verbleiben nicht nur die schädlichen Harngiftstoffe im Körper, sondern das Tier kann auch durch den entstehenden Blasenhochstand und den sich daraus ergebenden „Platzmangel“ im Körper massive Atemprobleme bekommen. Aus diesem Grund ist es von großer Wichtigkeit, dass durch Stimulation die Blase des Tieres entleert wird.

 
Für die Stimulation nimmt man am besten ein weiches Blatt Toilettenpapier oder ein Kleenex-Tuch, dreht das Jungtier vorsichtig in der Hand auf den Rücken und fährt leicht und ohne Druck in regelmäßigen Bewegungen über das Geschlechtsteil des Tieres. Diese Stimulation erfolgt bestenfalls so lange, bis kein Urin mehr abgesetzt wird.

  
Da sich das Jungtier anfangs eventuell gegen das ungewohnte Prozedere wehren wird, sollte man sich unbedingt Zeit nehmen. Sobald Urin abgesetzt wird halten die meisten Tiere in der Regel still.

Wichtig ist, dass man immer ein weiches Tuch nimmt und ohne Druck arbeitet, um eventuelle Entzündungen durch Wundreiben zu vermeiden. Nach der Stimulation sollte das Tier mit einem leicht angefeuchteten weichen Tuch gereinigt werden, so dass die zarte und empfindliche Haut durch den Urin nicht gereizt wird.

 
Der Urin sollte klar und hell sein, ist er dunkel, so wurde vermutlich länger kein Urin abgesetzt. Riecht der Urin gar nach „Fisch“, so könnte dies ein Hinweis auf eine Nieren- oder Blasenentzündung sein. Ist das Tier ansonsten fit und aktiv, sollte zunächst über die nächsten Stunden vermehrt Flüssigkeit verabreicht werden, um die Nieren und Blase zu „spülen“. Tritt daraufhin keine Besserung ein, so sollte ein Tierarzt aufgesucht werden, der das Tier ggf. antibiotisch behandelt.

 

8.  Sichere Unterbringung – Ruhe – Geborgenheit

 

Haben Sie ein Eichhörnchen gefunden, so können Sie davon ausgehen, dass das Tier bereits eine Menge durchgemacht hat. Oft sind diese Tiere schwer traumatisiert und stehen enorm unter Stress, hinzu kommen Schmerzen durch Verletzungen, zusätzlicher Stress durch die Anwesenheit des Menschen, den Transport, Lärm etc.

Generell ist wichtig, dass Findelkinder an einem ruhigen Ort die Möglichkeit haben, sich von all diesen Strapazen zu erholen.


Haben Sie die Erstversorgung durchgeführt, so bringen Sie es in einem Bereich Ihrer Wohnung unter, wo es ruhig ist oder tragen Sie es behutsam unter Ihrem Pullover, damit es durch den Körperkontakt ein Gefühl der Geborgenheit und Sicherheit erfährt.

Haben Sie Kinder, so versuchen Sie bitte zu vermitteln, was das Tier vermutlich schon alles erlebt hat, dass es kein Spielzeug ist und dringend Ruhe braucht. Eichhörnchenkinder sind sehr empfindlich und zu viel Stress kann sich mehr als nachhaltig auf den Gesundheitszustand auswirken.

   
Bitte bedenken Sie, eine gesicherte Unterbringung bedeutet auch Schutz vor Verletzungen. Ein geschwächtes Tier könnte sich nach relativ kurzer Zeit soweit erholt haben, dass es plötzlich sehr aktiv wird, bei einem Versuch zu klettern könnte es abstürzen oder sich einklemmen.

 

9. Wann muss ein Tierarzt aufgesucht werden?

 

Eichhörnchen-Findelkinder können eine Reihe von Verletzungen davongetragen haben. Hauptgründe sind hierfür Verletzungen durch den Sturz aus dem Nest, Angriffe von Katzen / Krähen oder generell durch die Auswirkungen einer zu langen Unterversorgung.

  
Zu berücksichtigen ist hier jedoch, dass sich nicht jeder Tierarzt mit der Versorgung von Wildtieren auskennt und so leider auch hin und wieder Medikamente verabreicht werden, die die Tiere nicht vertragen, gar zu schweren Schäden führen können.

 

Gerne stehen wir auch hier mit Rat und Tat zur Seite, nennen Ihnen uns bekannte Tierärzte vor Ort oder informieren Sie über gängige Medikamente, die bei betreffender Medikation erfahrungsgemäß von den Tieren gut vertragen werden.

 

Bitte fragen Sie daher zuvor den jeweiligen Tierarzt, ob er Wildtiererfahrung hat oder ggf. einen Kollegen nennen kann, der sich auf diesem Gebiet auskennt.

Ermuntern Sie Ihren Tierarzt uns anzurufen!

 

Vor allem:

Lassen Sie das Tier nicht mit Entflohungmitteln behandeln!!! Die üblichen Spot-on-Präparate oder sonstigen handelsüblichen Entflohungsmittel aus dem Haustierbereich können für Eichhörnchen fatale Folgen haben, gar zum Tode führen.

Welche anderen Parasiten außer Flöhen die Eichhörnchen noch haben können, ist auf unserer Seite Parasitenbefall näher beschrieben.

 

Übrigens:

Da Sie als Finder nur der Helfer und nicht der Besitzer des Eichhörnchen sind, ist es bei Tierärzten durchaus üblich, diese Wildtiere kostenfrei (selten gegen Zahlung des reinen Preises evtl. eingesetzter Medikamente) zu behandeln.

  

10. Eichhörnchen-Notfallteam anrufen

 

Wir sind ein kompetentes Team, das Ihnen mit Rat und Tat zur Verfügung steht. Sollten Sie mit der Situation überfordert sein, Fragen oder Probleme haben, rufen Sie uns an. Gerne stehen wir Ihnen beratend zur Seite bzw. stellen den Kontakt zu einer unserer Auffangstationen her, die das Tier aufnimmt, professionell aufzieht und später wieder auswildert.

 

Gerade Wildtiere sind in ihrer Aufzucht sehr anspruchsvoll und empfindlich. Mit einem Anruf können Sie Leben retten!