Oft kommt es vor, dass Eichhörnchenjungtiere, die ihre Mutter verloren haben, aus reiner Verzweiflung über die nicht mehr erfolgte Versorgung, Menschen an den Beinen hochklettern, in der Hoffnung, von diesen Hilfe zu bekom- men. Diese für ein Wildtier untypische Zutraulichkeit wird leider von manchen Menschen als tollwutverdächtiges Verhalten gedeutet und die Tiere werden „abgeschüttelt“ statt die dringend benötigte Hilfe zu erhalten.
Um diesbezüglich Aufklärung zu betreiben, haben wir folgend das Thema „Tollwut bei Eichhörnchen“ aufgearbeitet.
Allgemeines:
Die Tollwut gilt nach wie vor als sehr gefährliche vom Tier auf den Mensch übertragene Seuche (Zoonose) und ist mit wenigen Ausnahmen (z.B. England, Australien, Neuseeland) weltweit verbreitet. Nach Einschätzung der WHO (World Health Organization) gibt es pro Jahr etwa 35.000 Tollwutfälle, wobei eine erhebliche Dunkelziffer in Afrika und Asien besteht.
Die Übertragung der Tollwut erfolgt in der Regel über den Speichel eines infizierten Tieres nach Biss- oder Kratzver-letzungen.
Nach einer Inkubationszeit von mehreren Wochen treten Symptome wie Kribbeln und Brennen an der Bißstelle, Übelkeit und Erbrechen, Kopfschmerzen und Unruhe auf. Wasserscheu, Speichelfluss, Schluckbeschwerden durch Krämpfe der Schlundmuskulatur und deutliche Erregung deuten auf eine weit fortgeschrittene Infektion hin. Unbe- handelt führt die Erkrankung fast immer durch Lähmung der Atemmuskulatur zum Tode.
Eine medizinische Behandlung mit intensiver Reinigung der Wunde und aktiver und passiver Immunisierung muss unverzüglich nach dem Beissvorfall erfolgen, da eine Tollwuterkrankung nach Auftreten von Symptomen in der Regel nicht mehr heilbar ist.
Als Hauptüberträger der Tollwut gelten wildlebende Fleisch-fresser. Dies sind in Deutschland Füchse, Marder und Dachse und im weiteren Sinn auch Fledermäuse. Eine erhöhte Gefahr geht auch von den Haustieren Hund und Katze und von infizierten Rehen aus.
Zur Zeit der maximalen Ausbreitung der Tollwut in Europa war jeder dritte Fuchs in Europa mit Tollwut infiziert. In Deutschland konnte in den 90er Jahren durch eine großflächig angelegte Impfaktion in Form von ausgelegten und präparierten Ködern die Zahl der infizierten Tiere auf fast Null reduziert werden.
Derzeit gilt Deutschland offiziell als tollwutfrei, da seit mehr als zwei Jahren keine Tollwutfälle mehr registriert bzw. gemeldet wurden (Quelle: FAZ).
Was bedeutet dies nun für das Wildtier Eichhörnchen ?
Prinzipiell gilt, dass alle warmblütigen Wirbeltiere für diese Krankheit empfänglich sind und diese auch auf den Menschen übertragen könnten.Hauptüberträger der Tollwut sind und bleiben dennoch wildlebende Fleischfresser.
So waren in den 41 gemeldeten Tollwutfällen im Jahr 2005 39 Füchse und zwei Rehe betroffen, und in den drei Fällen 2006 ausschließlich Füchse (Quelle: Landratsamt Sächsische Schweiz).
Da in den Statistiken aus den Vorjahren nur Wildtiere wie Fuchs, Marder und Rehe einzeln aufgeführt werden, andere Wildtiere mit gemeldeter Tollwut hingegen nur unter sonstige Wildtiere gelistet werden (siehe z.B. Deutscher Jagdschutzverband), ist uns eine Analyse aus dieser Zeit momentan nicht möglich.
Dem Institut für Virologie in Essen ist aber bislang kein Fall der Tollwutübertragung durch Nagetiere in
Deutschland bekannt.
Und auch uns, als Verein Eichhörnchen Notruf e.V., mit langjähriger Erfahrung in der Aufzucht und Auswilderung von hunderten von Tieren, ist kein einziger Fall von Tollwut bei einem Eichhörnchen bekannt.
Eine Tollwutübertragung durch Eichhörnchen ist dem- nach unter Berücksichtigung dieser Aspekte höchst unwahrscheinlich.
Eichhörnchen Notruf e.V.