Das Hörnchen vom Campingplatz
von Bianca Ludwig
Sommer 2008
Über die Notfall-Hotline erreicht uns der Anruf einer Frau, die auf einem Campingplatz lebt und dort ein junges Eichhörnchen gefunden hat.
Zur Abgabe ist die völlig unerfahrene Findern nicht bereit und eine spätere Auswilderung lehnt sie kategorisch ab. Als wir sie daraufhin auf die rechtlichen Konsequenzen aufmerksam machen, wird das Gespräch abrupt beendet. Was bleibt ist eine Telefon-Nr. und ein Name ohne weitere Angaben zu den Personalien der Finderin.
Wir rufen die Nummer erneut an, es meldet sich die Betreiberin der ansässigen Campingplatz-Kneipe von der aus das Gespräch geführt wurde. Diese hatte zwar nach eigenen Aussagen von der Frau mit dem Hörnchen gehört, kannte sie aber weder näher, noch hatte sie eine Ahnung, wo diese zu finden sei. So baten wir die Wirtin der Finderin auszurichten, sollte sie nochmals in die Gaststätte kommen, sich unverzüglich mit uns in Verbindung zu setzen, da wir ansonsten das Veterinäramt einschalten würden, was wiederum rechtlichen Konsequenzen für die Finderin hätte. Doch keine Reaktion und auch ein weiteres Telefonat mit der Gaststättenbetreiberin bringt keine neuen Erkenntnisse.
So setzen wir uns mit dem zuständigen Veterinäramt in Verbindung und treffen auf eine überaus freundliche und sehr engagierte Amtstierärztin, die den Fall sofort übernimmt. Schon kurze Zeit später erhalten wir einen Anruf von einem Mitarbeiter, der den Campingplatz gut kennt und uns darüber informiert, dass in den nächsten Tagen ein Besuch angesetzt ist. Als wir im weiteren Gespräch den Namen der vermeintlichen Finderin nennen, ergibt sich überraschend die Erkenntnis, dass Finderin und Gaststättenbetreiberin nicht nur den selben Namen tragen, sondern vermutlich sogar eine und dieselbe Person sind. Wir sind sprachlos, wurden wir doch die ganze Zeit absichtlich belogen. Dennoch war diese bittere Erkenntnis auch von Vorteil, wusste man doch nun an wen man sich wenden musste, ohne den ganzen Campingplatz durchsuchen zu müssen.
Aber die überaus engagierten Mitarbeiter des Veterinäramtes kamen leider zu spät, denn von dem Hörnchen gab es keine Spur mehr. Schon ausgewildert hieß es von der Kneipen-Besitzerin. Beweisen konnte sie dies natürlich nicht, aber beide Seiten, Veterinäramt und wir, mussten zugeben, dass der Fall damit abgeschlossen war, auch wenn alle Beteiligten der Meinung waren, dass dies nicht der Wahrheit entsprach. Der Mitarbeiter des Veterinäramtes bot uns dennoch an, regelmäßig den Campingplatz, der in seiner Nachbarschaft lag, zu besuchen und zu kontrollieren, ob das Hörnchen nicht doch irgendwann wieder auftauchen würde.
Bis heute haben wir diesbezüglich leider keine positive Rückmeldung und wir müssen wohl davon ausgehen, dass wieder ein Tier ein trauriges und nicht artgerechtes Leben in einer viel zu kleinen Voliere fristet.
Eichhörnchen Notruf e.V.