Monte (Christo) und seine 3. Chance

von Bianca Ludwig

 

 

Frühling 2008

 

Über die Notruf-Hotline erreicht uns der Anruf einer Finderin aus Bad Säckingen. Sie hatte ein junges ca. 4-5 Wochen altes Eichhörnchen gefunden, welches sie aber unter allen Umständen selbst aufziehen wollte. Da wir in selbiger Stadt einen sehr netten und engagierten Notkontakt hatten, beschlossen wir, der Finderin diesen beratend zur Seite zu stellen. Doch schnell stellte sich heraus, dass diese Art der Betreuung von Seiten der Finderin alles andere als erwünscht war. Verabredungen und Treffen wurden abgesagt, am Telefon gab man sich mehr und mehr unfreundlich. Als endlich doch ein Treffen vor Ort arrangiert werden konnte, waren bereits einige Wochen vergangen, so dass sich das Hörnchen im kletterfähigen Alter befand. Mehr als kühl und unfreundlich empfangen, ergab der Besuch, dass das 8-9 Wochen alte Tier in einem herkömmlichen Vogelkäfig (Maße 50x50) inklusive Vogelsitzstangen lebte. Ein unhaltbarer Zustand, zumal wir stark davon ausgehen mussten, dass die Finderin das Tier nicht auswildern würde.

So entschieden wir uns umgehend das Veterinäramt einzuschalten und es begannen zähe und mühsige Gespräche und Verhandlungen mit einer Amtstierärztin, die leider keinen Handlungsbedarf sah. Doch wir blieben am Ball, nervten, fragten nach etc. Schließlich die Nachricht: Das Tier sei ausgewildert und der Fall somit abgeschlossen. Eine Niederlage für uns, denn wir alle ahnten, dass dies nicht der Wahrheit entsprach. Vor Ort selbst gab es von Seiten des Amtes keine Kontrolle, vielmehr bezog man sich auf eine telefonische Aussage der Finderin.

Wochen später sollte sich unsere Ahnung bestätigen. Als unser Kontakt vor Ort beruflich in betreffender Gegend war, entdeckte sie von der Strasse aus, dass sich auf dem Balkon der Finderin eine Vogelvoliere befand, in der deutlich ein Eichhörnchen zu sehen war.

Der Gang durch die Ämter begann von neuem.

Mittlerweile war das Tier ca. 6 Monate alt und fristete sein Leben in einer Voliere mit steten Blick zur unerreichbaren Freiheit.

Unzählige Anrufe und Gespräche gingen voraus bis wir endlich die entscheidende Nachricht bekamen: Besuch vor Ort und Mitnahme bzw. Einzug des Tieres falls es noch vorzufinden war.

Da wir als Verein für die weitere Unterbringung und spätere Auswilderung des Tieres beauftragt wurden, ergab sich schließlich doch noch eine echte und enge Zusammenarbeit zwischen Amt und Organisation.

So erhielt Monte seine 3. Chance auf ein Leben in Freiheit und kam nach Monaten der engen Käfighaltung zu Ute Dolle nach Konstanz wo er heute in einem wunderschönen Naturschutzgebiet mit vielen anderen ausgewilderten Artgenossen lebt.  

 

Monte am Tag der Ankunft in der Station von Ute Dolle.

Zur Beobachtung kam er zunächst einige Tage ins Innengehege.