Phoenix aus der Asche
von Claude Boever
Die Osterferien verbrachten wir dieses Jahr wie so oft in unserem alten Landhaus an der französich-schweizerischen Genze. Wie man so schön sagt: es ist nicht das Ende der Welt aber man sieht's von da.
Am Abend unserer Ankunft wollten wir den alten Steinofen aufheizen um Brote und Quiches zu backen. Beim Entfernen der im Ofen verbliebenen Restasche, stieß der Brotschieber auf etwas Weiches – ein Stück Holzkohle? Eine Astrinde? Wohl kaum - eine herbeigeholte Taschenlampe brachte im wahrsten Sinne des Wortes die „Erleuchtung“: in der hinteren Ecke des Ofens. Inmitten der längst erkalteten Asche, lag ein Siebenschläfer, eingerollt wie eine Rosinenschnecke, im friedlichen Winterschlaf. Vorsichtig angelten wir ihn mit dem Brotschieber heraus. Der Kleine atmete ganz langsam, war starr und fühlte sich kalt an. Da es Ende April war und die Siebenschläfer ohnehin im Mai aus dem Winterschlaf aufwachen, beschloss ich den Kleinen in ein verlassenes Bauernhaus, 30 Minuten von uns entfernt zu bringen. Während ich zu Fuß unterwegs war, trug ich ihn in meiner Hand und streichelte ihn ab und zu. Dabei regte er sich kaum – wie in Zeitlupe. Ich legte den Siebenschläfer in dem alten Haus in einen kleinen gepolsterten Korb oben auf einem Schrankregal ab, wo er in aller Ruhe „auftauen“ konnte. Für den ersten großen Hunger hatte ich vorsorglich einen Apfel bereitgestellt. Am darauffolgenden Tag, als wir nach ihm sehen wollten, war der kleine Kerl verschwunden. Lediglich einen angefressenen Apfel hatte er zurückgelassen...
Eichhörnchen Notruf e.V.